annet van der voort

photography

Der Zweite Weltkrieg hat das Leben meines Vaters ziemlich durcheinander gewirbelt. Er war zwanzig, als der Krieg auch die Ukraine erreichte, wo er aufgewachsen ist. Über die Zeiten, die dann folgten, hat er nie reden wollen. Er ist wohl verschleppt worden, hat sich irgendwie durchgeschlagen und fand sich dann nach den Kriegswirren in Deutschland wieder, wo er meine Mutter kennen lernte und bald von allen Peter genannt wurde — obwohl er eigentlich Stanislaw hieß. Mein Vater war und ist immer noch der wichtigste Mensch in meinem Leben, zumal ich viele Charaktereigenschaften von ihm Ągeerbt" habe — positive, aber auch negative. Unser Verhältnis war immer konfliktreich, aber wurde in seinen letzten Jahren auch von gegenseitigem Respekt getragen. Gerade dieses Foto strahlt eine ungeheure Lebensfreude aus, meine ich. Es wurde nicht lange nach Kriegsende aufgenommen und steht auf dem Flügel — dort, wo ich so oft sitze und spiele, dort, wo die wichtigsten Menschen in meinem Leben alle ihren Platz haben, damit sie mir nahe sind. Mit einer gewissen Sentimentalität schau ich mir während meines Spiels manchmal sein Gesicht an, und dann geht mir der Gedanke durch den Kopf, dass er eigentlich stolz darauf sein könnte, dass aus mir ein halbwegs anständiger Mensch geworden ist, der sein musikalisches Erbe nicht vergeudet hat. Ich hätte mir gewünscht, dass er länger an meiner Seite gewesen wäre.


The Second World War really turned my fatherís life upside down. He was 20 when the war reached the Ukraine, where he grew up. He never really wanted to talk about the times which followed. He was very probably deported, somehow muddled his way through and found himself back in Germany after the conclusion of the war, where he got to know my mother, and before long everyone called him Peter — although his real name was Stanislav. My father was and still is the most important person in my life: in addition Iíve "inherited" many of my characteristics from him — positive as well as negative. Our relationship was always full of conflicts, but in his final years it was also marked by mutual respect. This photo especially radiates an amazing love of life, I think. It was taken not long after the end of the war and stands on the grand piano — where I often sit and play, where all the most important people in my life have a place, so they can be near me. Whilst Iím playing I sometimes look at his face with a certain sentimentality. Then it comes to my mind that he could actually be proud that I became a halfway respectable person and didnít throw away my musical inheritance. I would have loved for him to be longer at my side.

Harald, 58

unforgettable (work in progress)